Peinlich, peinlich!

INTRO: Kennt ihr noch das Bravo! Magazin und die Edition Mädchen, Mädchen! ? Ich liebte diese Zeitungen. Die Fotolovestorys, die Rubrik, „Echt gruselig“, oder „Peinlich, Peinlich“. Hier erzählten sich Teenager über Leserbriefe was ihnen so Peinliches widerfahren ist. Ich wollte meine wilden 90er mit meinem fünfjährigen Mamadasein verknüpfen und ein paar Anekdoten schwingen. Es kam anders, ich entschied mich anders. Hier:

Eilmeldung: Auf Teneriffa ereignete sich ein tragischer Unfall. [… ] Es kamen x Menschen ums Leben, darunter x Frauen und x Kinder. [..]

Ich habe mich als Kind schon oft gefragt, wofür diese Differenzierung relevant sei. Das Wort „Differenzierung“ oder „Relevanz“ kannte ich noch nicht. Aber es war merkwürdig für mich, dass Männer, also mein Papa weniger wichtig oder vielleicht mehr wichtig sein könnte, als meine Mutter und wir Kinder. Kommt das vom Militär, aus Kriegszeiten?… Okay, diese Frage kann ich wohl jetzt nicht klären.

Die Unterscheidung in Kinder und Erwachsene macht in anderen Zusammenhängen jedenfalls Sinn! Zum Beispiel, wenn es um das Verhalten geht. Ganz plump gesagt, im Unterschied zu manchen Erwachsenen: Kinder scheißen sich nichts! Daraus resultieren zum Brüllen komische Geschichten.

Ich wollte einen unfassbar spaßigen Artikel verfassen mit einer Sammlung „peinlicher“ G´schichtln, die mir als Mutter so passiert sind. Beim Brain-Storming wurde mir entweder schlecht oder langweilig. Übel fand ich die Erfahrung genauso peinlich zu sein, wie früher die Erwachsenen waren, wenn sie in großen Runden schallend lachten und immer noch eine weitere Geschichte von der Art erzählten: „…und dann wollten wir ihn noch schnell wickeln, und sein Lulu überströmte den gesamten maßgeschneiderten Anzug vom Papa. Für die Reinigung war es zu spät, deshalb musste dein Vater dann die alte Kordjacke nehmen. …“ Idealerweise werden diese Hopsalas dann erzählt, wenn man als junges Liebespaar sich den Eltern vorstellt.

Nein so will ich nicht sein, so will ich nicht werden! Außerdem stellte ich beim Sammeln peinlicher Geschichten fest, dass mir nicht mehr so Vieles peinlich ist. Zumindest zur Zeit, schaue ich mehr durch meine „philosophischen“ Brillen und erkenne kaum noch eine Beschämung über Irgendetwas, sondern vielmehr eine Faszination wie die Dinge im Leben so zusammen spielen. ….

Ich lasse das Theoretische jetzt einmal sein und erzähle einfach mal eine „peinliche“ Geschichte:

Ich. Zurück vom Kurs. Hatte gerade PMS oder schlechte Laune aus anderen Gründen. Wollte noch schnell Shoppen. Unbedingt. Mein Sohn damals zirka 2 Jahre alt, wollte ganz offensichtlich nicht noch einmal rausgehen, sondern mit Mama kuscheln und mit Mama spielen. Und er hatte recht. Es war völliger Unsinn, während der Rush-Hour auf die Einkaufsstraße zu gehen. Ich trotzte der Gesamtsituation, ich bestimmte, „Wir gehen!“.

Zwischenstopp beim Bäcker um Kind bei Laune zu halten. Was passierte. Er nahm mein Getränk, Molke Maracuja oder so ähnlich und leerte es mit purer Absicht in meinen Schritt. Meine helle Jeginns war klitschnass. Ich sah aus als hätte ich meine Blase nicht mehr halten können und Reservegewand hatte ich auch keines dabei, zumindest nicht für mich. Ich musste zurück nach Hause und am Weg viele Menschen passieren. Vor allem die älteren Herrschaften staunten besorgt. Ich hörte sie laut denken: „So jung und schon inkontinent. Naja, nach einer Schwangerschaft kann das schon auch passieren. Oje, die arme!“. Ja, es war mir peinlich. 3 Jahre später ist es mir egal. Ich bin dankbar, dass ich gesund bin und so stolz auf meinen Sohn, dass er so schlau ist und sich durchsetzten kann. Er hatte ja recht. Wozu der ganze Stress. Ich will mich zwar nicht diktieren lassen und auf keinen Fall zulassen, dass aus meinem Kind ein Tyrann wird. …

Stolz bin ich jedenfalls darauf erleben zu dürfen, wie stark die Verbindung zwischen Mutter und Kind ist. Wie früh die Kommunikation zwischen Mutter und Nachwuchs beginnt. Ich würde sogar behaupten, es beginnt schon vor der Schwangerschaft, vor der Zeugung, schon während der eigenen Kindheit. (Näheres dazu ein anderes Mal 🙂

Was ich sagen will ist, dass es mir nicht so wichtig ist, was die Kleinen machen und wie sie es rüber bringen. Ob es peinlich sein könnte, ob es anstößig sein könnte. Ich bin fasziniert, wie sich Kinder den Weg bahnen, ihre Vorstellungen nach Außen zu bringen. Es sind teilweise individuelle Vorstellungen, oft aber auch einfach nur das was im Gegenüber wahrnehmen. Kinder sind sehr intuitiv und ja, sie spiegeln uns! Sie motzen, wenn das Warten zu lange dauert, sie nörgeln wenn es irgendwo zu heiß ist, sie lassen ungefiltert allerlei Bemerkungen raus und sagen eigentlich das was sich Alle denken…?

Zur Veranschaulichung noch eine kleine Anekdote. Mein kleiner Bruder und ich beim Squash spielen mit unserem Vater im Jahr 1998, oder ´99, kurzum: irgendwann einmal, damals.

Der Ball der zum Aufwärmen gegen die Wand geschleudert wurde, landete unabsichtlich im linken Auge meines Bruders. Wir mussten somit, bevor wir die Oma besuchten, noch ins Spital zur Untersuchung. Auf der Wartebank wurde der Besuch bei Oma kurz besprochen. „Du wirst sehen Kleiner, alles wird gut und dann fahren wir zur Oma.“ Eine andere Patientin, eine ältere Dame beugte sich zu meinem Bruder und hauchte liebevoll die Worte:

„Weißt du, ich bin auch schon eine Oma!“.

Mein Bruder verschränkte abwehrend die Arme und antwortete:

„NEIN! Du bist eine UR-OMA!“.

Uuuuuups. Wie entschuldigt man sich als „Eltern“ für so eine Bemerkung?

„Wissen Sie, er ist beim Auge verletzt und sieht daher gerade nicht soo gut“.

Öm, besser nicht.

Außerdem, erzählen die Kleinen manchmal das was sich die Großen denken, oder nicht? 🙂

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