Alles Einstellungssache

Weil am 8. März Weltfrauentag war, wollte ich einmal meine Sicht der Dinge zum Thema Gleichberechtigung schildern.

Gleichstellung und Chancengleichheit. Klingt irgendwie absurd. Die Bevölkerung besteht aus Menschen. Vielleicht gibt es zirka 1% Prozent mehr Männer als Frauen, jedoch sind wir Frauen keine Minderheit.

Wie kann es sein, dass ich schlechtere Chancen am Arbeitsmarkt habe solange ich im gebärfähigem Alter bin und später als zu alt und als zu teuer gelte.

Was hat die Politik getan? Kinderbetreuungsplätze geschaffen damit Frauen schon nach einem Jahr wieder in den Beruf einsteigen können. Ich habe das genau so gemacht und es bringt genau goa nix. Der Mehrwert war, dass ich den Postler losgeworden bin der am Vormittag alle Pakete bei mir abgestellte: einmal für Tür 22, die Nachbarn von Stiege 1 und dann noch ein kleines Amazonpackerl für die von direkt daneben. Prinzipiell holten sich alle Nachbarn ihre Pakete immer dann ab, wenn mein Zwergi grade ein Schläfchen machte. Ach, wie froh war ich, als ich endlich wieder Arbeiten gehen durfte…

Im Vergleich zur Schweiz sind wir in Österreich ja echt privilegiert, wenn es um Karenzmodelle und das Kinderbetreuungsgeld geht. Ein Jahr zu Hause zu bleiben ist halbwegs leistbar und ein weiteres Jahr ginge auch noch irgendwie. Schwierig wird es in den Jahren danach. Kinder brauchen Zuwendung, Zeit, Geduld und sehr viel Schutz. Es wäre ein Irrsinn die Betreuungszeiten in öffentlichen Kindergärten und Volksschulen/Kinderhorten auf bis zu 20 Uhr zu verlängern damit Mama gleich viel hackeln kann wie Papa.

Ich kann mich so organisieren, dass mein Sohn betreut wird und ich für zirka 38 Stunden pro Woche einen top Job leiste. Es wäre gelogen, wenn ich behauptete, dass die Zeitqualität im Feierabend die selbe wäre wie jetzt. Jetzt arbeite ich „nur“ Teilzeit. Richtig gut ging es mir als ich länger im Krankenstand war. Okay, nicht mir ging es gut, sondern im Umgang mit meinem Sohn war es leichter. Ich konnte wichtige Rituale etablieren. Abendessen zu Tisch, Geschichten Vorlesen vor dem Einschlafen, Bewegung im Freien, etc. Als ich noch Vollzeit arbeitete verlief es genau so wie es nicht sein soll. Fastfood vor dem Fernseher, anschließend Videos übers iPad, während ich meinen Rotwein kippte um runterzukommen. Am Morgen jeweils kein Frühstück für mich. Ich war duschen währenddessen und dannach nahm ich den Kleinen im Huckepack und eilte zum Kindergarten und weiter im Schnellschritt zur Arbeit. Ich glaube, ich habe sogar an Wochenenden und Feiertagen automatisch gekeucht: „Entschuldigung für die Verspätung…“ random, einfach immer und überall, an der Supermarktkasse und beim Tinderdate, immer 😂

Ja genau! Entschuldigung dafür, dass ich eine Periode habe. Entschuldigung, dass ich eine enge Verbindung zu meinem Kind verspüre. Entschuldigung dafür, dass ich sozial bin. Entschuldigung dafür, dass ich mit 20 noch keine Berufserfahrung hatte. Entschuldigung für meine Betreuungsverpflichtungen und Entschuldigung auch gleich dafür, dass ich täglich altere. Es sollte mich eigentlich gar nicht geben. #fuckthisbullshit

Frauen bilden das Rückgrat der Gesellschaft.

Deshalb müssen sie früher in Pension gehen.

Wenn eine Frau unterwegs ist, ohne ihr Kind, wird sie fast immer gefragt wer aufs Kind schaut. Ein Mann wird das nie gefragt, wenn er abends unterwegs ist, oder beruflich verreist. Ich hätte es auch gar nicht übers Herz gebracht, so lange vom Kind getrennt zu sein wie manch ein Mann. Ja, es sind die starken Bindungshormone „die mir einen Streich spielen“, wenn ich zu lange von meinem Sohn entfernt bin. Das ist auch gesund. Aber Niemand sollte dadurch eine existenzielle Benachteiligung haben.

Um Altersarmut zu vermeiden, sollen wir Frauen heutezutage Alles leisten. Eine Mehrfach-Performance die nur zu Frust oder gar zu einer Erkrankung führen kann.

Und deshalb rechne ich mal ab mit dem pseudoliberalem Gedöns wie diesem:

„Gehalt ist Verhandlungssache! Frauen müssen einfach nur viel selbstbewusster werden und besser verhandeln. Man sollte doch nicht durch staatliche Kontrolle und Quoten für Frauen in Führungspositionen eine Veränderung erzwingen.“

Erstens, viele Spitzenpositionen werden nicht von den Bestqualifiziertesten besetzt sondern von den besten „Genossen“! Zweitens, Verhandeln ja, aber ich habe letztendlich das Gehalt bekommen das jeder anderen Frau auch gezahlt wurde. Es gibt einen Marktwert. Viele Jobs werden vorwiegend von Frauen geleistet und mit entsprechendem Niedriglohn budgetiert. Wenn man sich für jene Stellen bewirbt und sich bei der Gehaltsverhandlung „wichtig macht“, heißt es: next!

Ich hatte ein Vorstellungsgespräch in einer Agentur und wurde gefragt wie ich mich organisieren kann, wenn mein Sohn krank wird. Ich reagierte auf diese Frage etwas überrascht. Einer der beiden Herren entschuldigte sich mit folgendem Argument: „Wir haben ja auch Kinder. Bei uns sind halt die Frauen zu Hause; deshalb wollten wir wissen wie Sie das machen.“ Ja liebe Vorarlberger, ihr müsst euch wohl erst an das Frauenwahlrecht gewöhnen. Der Rest folgt später. Oder, NIE!

Ich kotze im Strahl und bin noch lange nicht fertig. Totale Vergiftung! Und zwar, es fuckt mich so an, dass sich in vielen Bereichen so eine Biederkeit eingeschlichen hat. Und dadurch wird jede Form der Emanzipation beschwert. Mich nerven die kleinkarierten Spießer sowieso, noch mehr aber die Weiber die sich online anbiedern als würden Sie von Youporn bezahlt werden. Aber nein, die wollen einfach nur einen Habschi fürs Heiraten. Die erfolgreichsten unter ihnen nennen sich dann „Wify“ in ihrem Steckbrief auf Instagram. Es sei denn sie meinten (free) wifi. Dann habe ich wieder alles nur falsch verstanden, Entschuldigung!

Ich liebe Männer. Aber, ich will niemals eine Gattin von Jemanden sein und vor Allem will ich finanziell unabhängig sein. Ich will bei Geschäftsmeetings dabei sein können, ich will auf Dienstreise gehen können, wenn es erforderlich ist und ich will den Job machen für den ich geeignet bin. Und nicht den der sich mit den Betreuungszeiten am besten vereinbaren lässt.

Ich bin für das was von staatlicher Seite für die Förderung der Frauen geboten wird, sehr dankbar. Es sollte aber nicht (alleinige) Aufgabe des Staates sein, das Ungleichgewicht durch Fördermittel zu kompensieren. Es wäre viel nachhaltiger, wenn sich die Arbeitswelt im Allgemeinen ändern würde. Technischer Fortschritt und Digitalisierung bieten viele Möglichkeiten um Barrieren zu überwinden – ortsunabhängiges Arbeiten, zeitliche Flexibilisierungen und effizientere Arbeitsabläufe. Ich könnte mir außerdem vorstellen, meine Kinder mit auf eine Geschäftsreise zu nehmen und eine Vor-Ort-Nanny zu organisieren. So könnte man Termine abhalten und in der übrigen Zeit ein nettes Programm mit der Family gestalten. Darüberhinaus wäre es von meiner Seite her auch denkbar Kinder insgesamt viel mehr im Arbeitsalltag dabei sein zu lassen. So etwas wie ein offener Betriebskindergarten mit Betreuung.

Vieles ist möglich. Vieles ist einfach nur Einstellungssache.

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