I am (also) from Austria

Wer zählt zu den heimlichen Helden deines Alltags? Nichts ginge ohne die Betreuer im Kindergarten. Wie viel Power sie täglich bändigen müssen, das wurde mir in den vergangenen Tagen noch mehr bewusst. Nichts ginge ohne die viel zitierten Krankenpfleger und und und. Es ist fast schon erfreulich, dass ausgerechnet die Arbeitskräfte aus dem Niedriglohnbereich während der Coronakrise zu den Most Wanted People wurden.

Bravo! Applaus! Ganz viel Applaus! Weiter so :-)👏

Auch den Cops ist zu danken: dafür, dass sie dazwischen gehen, dafür, dass sie deeskalieren, dafür, dass sie so Vieles aushalten müssen um Andere zu schützen! – Hut ab und Danke für euren Einsatz!!

Wann immer wir uns persönlich begegneten – die Polizei und ich – dann mochte ich sie immer nicht so gerne. Ich meine nicht meine sexy Polizeifreundinnen die absolut JEDEN unter den Tisch saufen können(und danach in Handschellen abführen). Ich meine diese anderen Polizisten.

Ich fuhr mit dem Fahrrad über Rot. Ich hatte einen Samstagsdienst in der Mariahilfer Straße und war etwas in Eile. Plötzlich wurde ich mit Blaulicht zum Anhalten aufgefordert. „OAUSWEIS BITTE“

[Anm.: Wer in Wien wohnt der weiß, dass das Verkehrssystem in dieser Einkaufsstraße wirklich nur durchschaubar ist für jene Experten die es konstruiert haben. #nichtfürmich]

Also gut, irgendwo war eine Ampel die rot war und ich hätte sie sehen sollen. Habe ich aber nicht. Es war noch sehr ruhig an diesem Samstag Morgen und daher sehr auffällig was hier passierte:

„Junge Dame, warum halten wir Sie auf?“

„Junge Dame? Geh in Oasch! Wie redest du Hampel überhaupt mit mir?“, dachte ich mir.

„Oje, habe ich mein Licht nicht eingeschaltet oder zu laut Musik 🎧 gehört?“, antwortete ich.

„Drehen Sie sich einmal um. Ja, richtig. Und jetzt denken Sie einmal ganz genau nach.“

Als wäre das nicht schon peinlich genug, musste er auch noch so extra laut und DÄU-T-LICH SPRECHEEEE-EN. So als ob ich dämlicher wäre als er. Vom Westbahnhof bis zum Museumsquartier konnten Alle mithören.

Blasen musste ich nicht. Dafür aber ganz lieb und unschuldig lächeln um einer Geldstrafe zu entkommen. [oh, Mann]

Es wird nicht ganz ohne Grund sein weshalb Polizisten so eine brachiale Tonart anwenden. Das muss wohl so sein. Nicht selten aber passiert es, dass der Bogen überspannt wird. Es erweckt den Eindruck, dass Leute für die Polizei arbeiten um genau diese Art von Autorität abzufeiern.

Stichwort „Abfeiern“. So in etwa lautete die Rückmeldung eines Wiener Polizeisprechers über die Aktion der Polizei, jeden Abend „I am from Autria“ über das Megophon zu spielen. Die Leute in Alterlaa wären total abgegangen. Eine sehr gute Stimmung und tosender Applaus von den Balkonen. Man bedankt sich gegenseitig für den Einsatz, und für das Zuhause bleiben. Zum Nachlesen hier ein Link: https://www.derstandard.at/story/2000116008418/wiener-polizei-spielt-i-am-from-austria

Ganz ehrlich: Bei solchen Aktionen wäre es mir am liebsten wenn die Polizei auch Home Office machen würde.

Wer hat das erlaubt? Wer hat das bestellt? Haben wir darüber abgestimmt? Leben wir noch in einer Demokratie? Hoffentlich schon. Und vor allem in Wien leben wir in einer multikulturellen Stadt. Es bleiben nicht nur Austropop-Fans zu Hause.

Wie wäre es mit etwas mehr Respekt? Dieser Tage gibt es nicht viel zu Feiern. Tausende Menschen haben Ihre Einkommensgrundlage verloren. Tausende Menschen haben bittere Existenzängste. Tausende Menschen leiden unter der Isolation und Freiheitsbeschränkung.

Mut und Zuversicht zu vermitteln ist enorm wichtig. Für mich ist es zeitweise aber unerträglich. Die ständige Aufbereitung der Vorzüge einer Quarantäne (in den Medien) hat schon fast den Anschein einer Volkspropaganda. Ich fühle mich dadurch zusätzlich gestresst, Ich fühle noch mehr unter Druck gesetzt. Darf ich jetzt nicht einmal mehr traurig oder zornig sein?

Bitte liebe Polizei, stoppt diese Aktion mit nächster Woche! Bitte überlasst das Musik machen den Künstlern die es können (nichts gegen dich Reini! Aber deine Lyrics machen für mich keinen Sinn und einige der Leute die dir nachsingen sind mir ungeheuer).

Wenn schon Musik durch das Megaphon, warum dann nicht gleich etwas Passendes. Wie wäre es mit Verdis Gefangenenchor? – Nur bloß nicht die später „arisierte“ Überarbeitung verwenden. Das wäre mir sehr unangenehm. Ich hoffe, ich war DÄU-T-L-I-CH GEN-U-CK!?

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