baby Business Case

Ist „Mama“ ein Job? Und wenn ja, wieviele?

Ich denke, dass das Mutter-Dasein Privatsache ist. Dadurch wäre ja schon Alles gesagt. Wen geht es etwas an, wie ich mein Leben gestalte und ob ich als Frau Mutter werden möchte oder ob es mir überhaupt möglich ist. Es ist gewiss nicht die Aufgabe des Vatikans sich in diese weibliche Sicht einzumischen. Es ist – wenn überhaupt – hilfreich, wenn wir über die Herausforderungen die Eltern haben diskutieren. Aber auch nur dann, wenn wir dabei nicht ausschließlich moralisieren, sondern Bedingungen schaffen die uns Allen das Leben erleichtern.

Die empfindliche Seele eines Heranwachsenden hat ein Recht auf Schutz und Fürsorge. Eben weil die ersten Lebensjahre so prägend sind, ist die Anteilnahme anderer wichtig. Ich empfinde die Anteilnahme anderer vielmehr als eine Art der Einmischung und Zurechtweisung, jedoch kaum als Unterstützung. Ich höre mir an, wie ich mich als Mutter zu verhalten habe und worauf ich unbedingt achten soll. Was die wenigsten Mitmenschen tun ist, dass sie bedingungslos ihre Hilfe anbieten. Das ist in meinen Augen der wundeste Punkt in dieser Thematik. Wenn es um Kinder geht, haben schnell Alle eine Meinung, aber kaum jemand ein Interesse auch etwas beizutragen.

Worum geht es im gesellschaftlichen Sinne?

Müssen Frauen Kinder bekommen, damit der Fortbestand der Menschheit gesichert ist. Sind Kinder eine Absicherung für die Aufrechterhaltung einer Nation? Müssen Frauen Kinder bekommen, weil Männer es nicht können?

Bevor ich mich in Details verstricke, lasse ich diese Fragen alle offen. Es ist evident, dass Kinder unter schlechten sozialen Bedingungen, größeren Gefahren ausgesetzt sind und das Auswirkungen auf unser Zusammenleben hat. Umgekehrt gilt das genauso. Ein gut entwickeltes Kind, das viel Fürsorge bekommen hat, tut sich in der Persönlichkeitsentwicklung leichter und kann auch in Folge mehr für die Gesellschaft leisten. Eine Kosten-Nutzen-Frage ist jedoch völlig unangebracht. Außerdem finde ich sollte der Staat nicht (finanzielle) Anreize schaffen um die Geburtenrate zu steigern. Umgekehrt sollte aber auch wirklich niemand benachteiligt sein, wenn er sich der Aufgabe widmet Kinder zu bekommen und groß zu ziehen.

Das bezieht sich nun auch auf die individuellen Überlegungen. Fort mit den Vergleichen, weg mit den Bewertungen und weg mit der Frage ob ein Kind die Eltern glücklich oder unglücklich macht. Es ist nicht Auftrag der Kinder für das Glück der Eltern zu sorgen. Es ist auch nicht notwendig, dass Erwachsene Glück heucheln, wenn sie ausgelaugt und unglücklich sind.

Wie wertvoll ist es alleine schon, dass wir in einer aufgeklärten Gesellschaft leben. Dass, wir ungefähr einschätzen und planen können wie wir unser individuelles Leben gestalten wollen. Doch auch wenn Vieles heutzutage möglich ist das früher undenkbar war, ist es wichtig auch darüber aufzuklären, dass man nicht Alles entscheiden und (ein)planen kann und uns in Momenten der Überraschung oder Überforderung nur eines bleibt, mit Demut voranzugehen.

Doppelbelastung und doppelmoral

Regretting Motherhood war eine Studie einer israelischen Psychologin im Jahr 2015. Diese Studie provozierte alleine schon durch den Titel und es schien viele Leute zu überfordern sich mit dieser Überlegung auseinanderzusetzen. Wie kann man ein Kind lieben und es gleichzeitig bereuen Mutter geworden zu sein? Es lässt sich tatsächlich nicht so leicht in zwei Bereiche aufteilen: Mutterrolle und Mutterliebe.

Außerdem sind Männer nicht weniger einer Doppelbelastung AUSGESETZT, oder besser gesagt, einer Doppelmoral!

Ich finde es grundsätzlich gut, dass durch diese Erhebung eine Aufmerksamkeit erzeugt worden ist. Tatsächlich wird viel zu sehr angenommen, dass das Mutterglück einschießt wie die Milch in der Brust und alles aufwiegt das es an Schmerzen und Entbehrungen auszuhalten gilt. Das ist irgendwie unfair den Frauen gegenüber. Einerseits gibt oder gab es Männer die ihre Frauen verlassen haben um mit einer kinderlosen Frau anderswo glücklich zu werden und andererseits gibt es heute Frauen die im Ruhestand nicht genügend Geld zum Überleben haben. Aber scheinbar glaubt man, dass die Frauen bei den Kindern geblieben sind, weil „die das so wollten“ und dann hätten sie ja eh Alles was sich eine Frau vom Leben wünscht.

Mir ist völlig klar, dass das so nicht (gänzlich) richtig ist und dass es schon längst ein viel größeres Bewusstsein für die Forderungen der Frauen gibt. Außerdem sind Männer nicht weniger einer Doppelbelastung ausgesetzt, oder besser gesagt, einer Doppelmoral. Wenn es darauf ankommt sind es die Männer die für Finanzielles immer noch die Hauptverantwortung tragen. Wehe, aber sie können beim Thema Trotzphase nicht mitdiskutieren. Wehe, sie beteiligen sich nicht gleichermaßen am Haushalt ohne dabei schwul auszusehen.

Von der Männerfront kamen bisher noch wenig Klagen über dieses Dilemma. Ich hörte zwar schon öfter einen Mann sagen, dass es für ihn unklar ist wie er es einer Frau Recht machen kann. Ich hörte aber noch nie einen Mann jammern, dass er Schwierigkeiten habe, Job und Kind unter einen Hut zu bringen.

Vielleicht ist der Druck auf Männer niedriger. Vielleicht ist es den Männern aber auch nicht so wichtig was andere (Eltern) über sie denken oder von ihnen erwarten. Ich glaube zwar, dass Männer nicht weniger damit beschäftigt sind, ihrer Wunsch-Identität zu entsprechen. In Bezug auf Kinder gehen Männer – meines Erachtens nach – pragmatisch vor. Oder, sagen wir mal, sie sind tendenziell egoistischer als Frauen. Für den einen oder anderen Mann ist es schneller einmal ausreichend wenn sich jemand (eine Vertrauensperson) um die Kinder kümmert. Es ist für sie nicht so quälend, wenn sie vorübergehend nicht an den Aktivitäten ihrer Kinder teilnehmen können.

Verantwortung

Das ist das ursächliche Problem in meinen Augen. Dass, Frauen weniger leichtfertig sein können wenn es um ihre Brut geht. Sie wollen die Kontrolle behalten. Sie könnten sich Freiräume nehmen, aber es ist manchmal schier unmöglich und manchmal viel zu unangenehm. Und während die Zeit vergeht, vergeht auch die Bindung zu alten Freunden, zu verschiedenen Hobbys und der Egoismus.

„ICH WAR EINE AUSNAHME“

Ich war 26 Jahre als mein Sohn zur Welt kam. Ich hatte zu dieser Zeit noch keinen Vergleich mit anderen Müttern. Ich hatte keine Vorbilder und auch keine Zwänge. Die Hebamme war erstaunt über mein junges Alter. Sie begleitete zwar eine Schwangere die erst 17 Jahr war. Ansonsten hatte sie aber nur deutlich ältere Frauen (als mich) im Kreißsaal. Zum einen, war ich mit dem Schichtwechsel im Spital überfordert – noch mehr mit meinen Presswehen – zum anderen wusste ich nicht was die Hebamme mir damit sagen wollte. Sollte ich zurückhalten, nach Hause gehen und in ein paar Jahren wiederkommen? Hätte ich mich entscheiden müssen zwischen Teenager werden Mütter und Kinderwunschklinik? Vielleicht gibt es eine Art Klassengesellschaft? Die Arbeiterklasse bekommt die Kinder sehr früh, die Eliten sehr spät und ich mit 26 war für die Wiener Hebamme nicht einzuordnen.

Ich weiß seit unzähligen Jahren wie man Kinder macht und wie man verhütet und dennoch war ich überrascht darüber schwanger zu sein. Ich gestattete mir, darüber nachzudenken, Zweifel auszusprechen, Angst zu haben und jeden Gedanken zuzulassen. Ich schwörte mir aber auch, dass wenn ich mich entscheide dieses Geschenk anzunehmen, werde ich mein Bestmögliches geben – mein Allerbestes! Ich war nie besonders egoistisch. Manche bezeichneten mich sogar als selbstlos. Und eben das wurde mir dann im Laufe der Schwangerschaft unangenehm. Ich merkte, dass da Einiges in mir ist, ein riesiger Lebensdrang. Dieser Lebensdrang hat einen Namen. Er und ich, wir lieben uns unendlich halten zusammen wie Pech und Schwefel. Wir sind aber nicht gleichgestellte Partner. Nur ICH bin für mich und mein Wohl verantwortlich und ICH bin in oberster Instanz für mein Kind verantwortlich. Ich gehe raus, ich gehe weg. Ich habe auch nach der Geburt gefeiert, bin verreist, auch mal ohne Kind. Ich fluche beim Autofahren und höre immer noch gerne Hip Hop. Ich bin daran gewöhnt, dass ich nicht die erwartete Figur abgebe wenn ich kaugummikauend zum Kindergarten fahre oder meinem Sohn zuerst Skateboard fahren lehre und danach erst das Schnürsenkelbinden.

Ich bin aber nicht anders als die anderen. Wenn ich eine fremde Person beobachte die beispielsweise ihre Tochter anfaucht, dann tut mir jedes Mal nur das Kind leid. Und ich kenne diese Momente wo es einem reicht. Kinder sind ja nicht ausschließlich hilfsbedürftig sondern manchmal auch listig und nervenaufreibend. Ich würde mir nicht erlauben mich einzumischen und zur selben Zeit verrät alleine mein Gesichtsausdruck, dass ich die fauchende Mutter unangemessen finde.

Manchmal sind Mütter nicht mehr nur Hauptverantwortliche sondern gleich für Alles verantwortlich

Wahrscheinlich gibt es ein eingefahrenes Verständnis davon wie eine gute Mutter zu sein hat. Sie soll liebevoll, verständnisvoll und ausgeglichen sein. Die gesunde Mehrheit hat auch das Verständnis für Kinder. Was man ihnen zumuten kann und was nicht. Aber trotzdem kommt es oft ins Wanken. Manchmal sind Mütter nicht mehr nur Hauptverantwortliche sondern gleich für Alles verantwortlich. Kinder sollen nicht stören in der Öffentlichkeit, im Restaurant oder in irgendeinem Wartezimmer. Sie sollen sich ruhig verhalten aber bloß nicht ruhig gestellt werden!

All diese Szenarien spielen sich auf hohem Niveau ab. Es muss den Menschen schon richtig gut gehen um sich darüber Gedanken zu machen. Deshalb ist es ja so absurd, wenn wir ständigen Stress empfinden obwohl Vieles ja eh gut funktioniert. Je ausgeprägter aber der Wohlstand, desto niedriger das Miteinander. Während sich dank einer fortschrittlichen Auffassung in der Kindererziehung Vieles liberalisiert hat, ist der Wettkampf unter den Eltern größer denn je. Jeder für sich weiß, dass Kindererziehung zum Teil eine Gestalt angenommen hat die nur noch als absurd zu bezeichnen ist. Absurd finde ich zum Beispiel die Aufregung der frühen Förderung von Kindern, oder welche Dimension manche Geburtstagsfeten angenommen haben. Einladungen werden ein halbes Jahr im Voraus verschickt, eigene Räumlichkeiten werden dafür extra angemietet und jeder Pups wird unter pädagogischem Aspekt diskutiert.

Mich nervt das und trotzdem spiele ich mit. Wer ist jetzt schuld? Niemand! Es hat sich eben so entwickelt im Laufe der Zeit.

SELBST-FÜRSORGLICH STATT SELBSTLOS

Ich finde auch nicht, dass wir uns wieder zurück entwickeln sollten. Gar nicht! Aber, weniger ist manchmal mehr. Gut fände ich: weniger sogenannte „Anreize für Kinder“, weniger Leistungsdruck unter dem Deckmantel „Spiel und Spaß“, weniger „Dauerbespaßung der Kinder“. Dafür aber mehr Vertrauen in uns selbst und folglich auch in den Nachwuchs. Wir dürfen den Kindern auch etwas zutrauen, ja sogar zumuten.

Abschließend möchte ich noch etwas zu der (oben schon erwähnten) Studie „Regretting Motherhood“ loswerden. Ich stelle mir die Frage, ob es nicht auch sein kann, dass die befragten Personen (aus allen sozialen Schichten) eher an Depressionen leiden, weniger an ihrem Familienstatus. Psychische Gesundheit und Lebensfreude sind so wichtige Faktoren um überhaupt Etwas geben zu können. Daher ist es in meinen Augen enorm wichtig, dass eine Mutter ihren eigenen Bedürfnissen nachgeht und nicht so tut als bräuchte sie sonst Nichts. Eine Mama die gut auf sich achtet ist ja auch ein gutes Vorbild? Diese Frage kann ja jeder für sich selbst klären. Es geht nämlich verdammt noch einmal nicht ums Bewerten! Es geht darum, dass Jeder so zufrieden ist, dass er es nicht nötig hat über andere zu spotten. Sondern wenn dann, um zu helfen!

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