Serie: Annikas Abenteuer – Serie 4

Alles über Heutzutage.

Familie Knecht und Annika fuhren gemeinsam zu den Weinbergen. Annikas Nachbarn hatten den Tod ihres Wellensittichs verschmerzt und bald danach entschieden, einen Hundewelpen unter ihre Fittiche zu nehmen. Hundewelpe Molly war mit auf der Wanderung und verlangsamte den Spaziergang zum Gasthaus. Dort erwartete sie ein festliches Sonntagsessen.

Annika wurde wieder von sich selbst überrascht. Anstatt vornehm auf ihre pensionierten Nachbarn und deren Welpennachwuchs Rücksicht zu nehmen, schüttete sie dem alten Paar ihr Herz aus. Sie erwartete Anteilnahme und Ermutigung. Was kam, war jedoch ein Vortrag über die junge Generation von Heute und ihr Unvermögen Stand zu halten. Die jungen Leute würden nie etwas durchhalten wollen und demnach den Wert einer dauerhaften Ehe nie erleben können. „Wir haben immer an einem Strang gezogen. In guten wie in schlechten Zeiten. Aber liebe Anni! Du bist eine tolle junge Frau und wirst bestimmt den Richtigen finden.“, erklärte Frau Knecht.

Annis neuer Freund – DJ Hainberg:

Der Richtige war er sicher nicht – hinsichtlich einer Langzeitbeziehung, oder gar Eheschließung. Annikas Flamme, der DJ aus dem Hainberg, ist bereits Vater. Er hat einen Sohn der in Belgien lebt, zusammen mit seiner Mutter. Die beiden waren nie zusammen, aber sie lebten damals zusammen in einer WG, als sie von ihm schwanger wurde. Hainberg wusste das erst lange nicht, entschied sich aber sofort die Vaterschaft anzuerkennen und den Kleinen so gut wie möglich zu unterstützen.

Er nimmt keine Drogen, er wäre kein Süchtler. Er wolle nur beim Feiern loslassen können und würde Chemisches gegenüber dem Alkohol bevorzugen – erklärte DJ Hainberg seiner neuen Bekanntschaft Annika. Das gemeinsame Picknick am Waldrand gefiel ihr sehr. Sie begeisterte sich auch für die kontroversen Ansichten ihres Gegenübers. Hainberg war ja schon etwas älter als Annika, bestimmt 10 oder 15 Jahre. Und er meinte, dass die Jugendlichen von heutzutage zu „brav“ wären. Ihnen würde es Kreativität und Mut für Eigensinn fehlen. Annika hörte ihm begeistert zu.

Als ihr dann aber vorgeworfen wurde, sie würde ihren Exfreund schlecht darstellen, wurde sie zornig. Flo war nun einmal ein emotionsloser Pragmatiker und konnte sie nicht glücklich machen. Das musste der Paradiesvogel DJ Hainberg doch einsehen können? Er aber erklärte ihr, fast schon prophetisch, dass jeder Mensch für sein Glück selbst verantwortlich ist. Annika würde es sich leicht machen und ihrem Ex-Freund Flo die Schuld dafür geben, nicht glücklich geworden zu sein.

Annika verlor das Interesse an der Unterhaltung mit Hainberg. Sie hatte keinen Bock mehr auf die Belehrungen Hainbergs und verließ das Picknick, ohne eine Wort zu sagen. Geradezu emotionslos ging sie davon.

Annika & Flo:

„Wusstest du, dass meine Schwester bei einem Autounfall verunglückte?“ „Du hattest eine Schwester?“ „Du hast mich ja nie danach gefragt!“ „Du hast ja auch nie etwas gesagt! Nur, dass deine Eltern in Utrecht leben und sehr zurück gezogen sind.“ Die Diskussion zog sich über eine lange Strecke, bis es Annika dämmerte. Sie Beide hatten aneinander vorbei gelebt. Annika hatte ebenso wenig über Flo wissen wollen, wie er über sie. Beide waren sie abgebrüht und platt. Annika wurde allmählich bewusst, dass Flo schon lange den Traum hegte, beruflich ins Ausland zu gehen. Für ihn war es belastend mit seiner Mutter alleine aufzuwachsen und ständig kein Geld zu haben. Er wollte das, für sich in seiner Zukunft, anders haben: Sein Ziel war es, gut zu verdienen, um sich etwas leisten zu können und seine Mutter unterstützen zu können.

Es dämmerte ringsum den Park, wo Annika und Flo seit Mitternacht diskutierten. Es war aufwühlend, aber auch wohltuend. Sie verabschiedeten sich mit einem sanften Kopfnicken und gingen getrennte Wege nach Hause. Sie wohnten nicht zusammen, was die Trennung aus pragmatischer Sicht erleichterte. Der Klotz den Annika auf ihrer Brust spürte war sehr schwer. Sie musste sich irgendwie wieder in Balance bringen, schließlich war morgen ja ein Arbeitstag. Auch wenn sie von zu Hause arbeiten konnte, blieb es ihr nicht erspart, „zu liefern“. Sie wollte am liebsten einfach nur schlafen…

Wie gehts weiter? Wie endet die Geschichte?

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