Seelenpartner

Intro: Viel zu tun und ein Mangel an Ideen hinderten mich daran, endlich wieder einen Blogbeitrag zu schreiben. Ich hatte also die Idee mir ein Thema vorgeben zu lassen und unabhängig davon, ob ich persönlich daran interessiert bin, oder nicht, mich dem Schreiben zu widmen. Als mir „Seelenpartnerschaft“ vorgeschlagen wurde, war ich zuerst gar nicht begeistert. Nachträglich finde ich den folgenden Artikel dann doch nicht ganz unspannend.

Theoretisches

Eine hierfür sehr passende Liebestheorie stammt aus der griechischen Mythologie. Demnach waren die Menschen einst vierbeinige Kugelwesen und ähnelten in ihrer Gestalt den Himmelskörpern. Sie hatten unbändige Kräfte, wurden übermütig und versuchten sogar ihre Götter zu überwältigen. Um dies zu verhindern, teilte Himmelsherrscher Zeus die Kugelmenschen in zwei Hälften. Sie litten so sehr unter dieser Trennung, dass sie ständig einander umarmten und versuchten wieder ganz zu werden. Durch die sexuelle Vereinigung konnten sie sich in ihrer Ganzheit wiederfinden. Der besagte Kugelmenschen-Mythos sollte das erotische Verlangen unter den Menschen erklären und wird auch als Erklärung des Eros als Mangelphänomen interpretiert.

Ich glaube, es bräuchte viele Leben um, auch nur in Ansätzen, zu erfassen welche Liebestheorien die Menschheit schon hervorgebracht hat. Es ist ein großes Thema und natürlich auch ein Thema das mich persönlich beschäftigt. Hier möchte ich auch gleich fortsetzten: Glaube ich an eine schicksalshafte Liebe?

Ja und nein!

Meine persönlichen Erfahrungen

„Bist du heiratest, wird´ s gut!“ So, wurde ich getröstet, wenn ich mich als kleines Mädchen verletzte. „Du wirst den Richtigen noch finden!“, hieß es, wenn ich Kummer hatte. Mit Hingabe habe ich einen Liebesroman nach dem anderen verschlungen und mir vorgestellt, dass es diesen blitzartigen Treffer geben würde. Die Liebe auf den ersten Blick! Mittlerweile denke ich etwas differenzierter über „die Liebe auf den ersten Blick“. Wie jeder Mensch, habe ich mich schon oft geirrt und in einer Art des Verliebtseins sehr viel Blödsinn gedacht.

Ich war einmal in einen verschossen mit dem das Zusammenspiel unseres Kennenlernens schon so poetisch wirkte. Bei unserem ersten Date, hörte es auf zu regnen und als wir uns verabschiedeten, kam sogar kurz die Sonne raus. Als der betreffende Mann abreiste, folgte ein Schauerregen. Nachdem ich zu Hause angekommen war und den Fernseher aufdrehte, war ausgerechnet jener Mann on stage zu sehen. Für mich war das eindeutig ein Hinweis darauf das wir zusammen gehörten – bei alle diesen Zeichen! [OMG ist mir das peinlich, wenn ich daran denke] Was mich nämlich gar nicht beschäftigte war die Tatsache, dass wir unterschiedliche Ansichten hatten und keinerlei erotische Spannungen. Er kam schon bald zum Entschluss, dass wir nicht zusammen passten und schlug mir vor lieber nur Freunde zu sein. Ich war total entsetzt über den Korb den ich bekam. Seit ich diese Egokränkung überwunden habe und bald danach neue Begierden hatte (zirka 72 Stunden später), kann ich mir nur noch auf den Kopf greifen und muss auch peinlich berührt darüber lachen. Er und ich, nein! Wir sind auch ganz gewiss keine Seelenverwandten.

Seelenverwandt

Ich probierte ein neues Rezept mit Blumenkohl aus. Während ich darauf wartete, dass mein Gericht abkühlte um von mir verspeist zu werden, zappte ich durch die Insta-Storys und sah Einen genau das Gleiche kochen. Bei eben diesen Mann hatte ich einmal den spontanen Gedanken, dass es ihm nicht gut ginge. Der Gedanke war sehr konkret, aber ohne irgendeinen Anlass. Ich erfuhr noch am selben Tag, dass es einen Todesfall in seiner Familie gab. Solche und ähnliche Erlebnisse hatte ich mehrfach mit diesem Menschen. Als ich dann, eines Tages, auf dem Heimweg einen Ratgeber anhörte –wie man über Jemanden hinweg kommen kann – rannte ich, auf mein Handy starrend, in ihn hinein. Ich fand das so speziell, dass ich nicht mehr als ein „hey“ herausbrachte und einfach weiterging. Er und ich hatten es ja versucht miteinander, oder zumindest ich hatte es gewollt und probiert. Nur war die ständige Verunsicherung viel zu zermürbend.

Irgendwie gelangte ich dann endlich zu der Erkenntnis, dass der Grund solcher „leidenschaftlichen“ Konstellationen nicht Liebe ist. Eine shady On-Off-Beziehung hat mit karmischen Verbindungen nur insofern zu tun, dass zwei aufeinander treffen die mit ähnlichen Themen rangeln. Wenn zwei Menschen kompatible Komplexe haben. Wenn zum Beispiel ein Egoist auf eine selbstlose, unterwürfige Person trifft usw.

Bei vielen Menschen die mir auf Anhieb auf eine besondere Art und Weise vertraut waren, stellte ich irgendwann fest, dass sie ähnliche Probleme bzw. ähnliche Schicksalsschläge hatten wie ich. Jemanden zu treffen den man ohne Worte versteht, kann also auch eine traurige Grundlage haben. Für mich war das festhalten an solchen Kontakten (auch im freundschaftlichen Sinne) eine Art Suche und der Wunsch nach Heilung. Nur leider nicht der richtige Zugang dafür!

Vieles durfte heilen, weil ich irgendwie dazu verdammt war und auch weil ich es wollte. So erkläre ich mir meine Zeit als Single-Mensch. Vor drei Jahren zog ich, zum ersten Mal in meinem Leben, alleine in eine Wohnung. Ich hatte durch die Trennung zu meinem damaligen Partner auch eine Trennung zum gemeinsamen Umfeld. Es war völlig ungewohnt für mich, so stark mit mir selbst konfrontiert zu sein. Anfangs lenkte ich mich noch mit Romanzen ab und nach und nach wendete ich mich den echten Themen zu. Es war freilich eine unangenehme Zeit während ich diese radikal ehrliche Auseinandersetzung mit mir selbst führte. Ich musste Entscheidungen überdenken, meine Muster beleuchten und akzeptieren, dass es Phasen gibt in denen es nicht nach den eigenen Maßstäben läuft. Und ich danke dafür! Denn wer sich selbst näher kommt, der kann auch echte Freundschaften entwickeln und unter den richtigen Voraussetzungen in Liebesbeziehungen eintauchen. Ich habe in meiner Single-Zeit Vieles gelernt. Zum Beispiel, dass es sich lohnt aus der Komfortzone zu steigen und mit Leuten in Kontakt zu treten die einem anfangs noch nicht vertraut sind. Dass, es Spaß macht mit verschiedenen Charakteren Dinge zu unternehmen und Gespräche zu führen. Ich habe echt viel gelacht in dieser gesamten Zeit. Die Fixierung auf einen einzelnen Menschen zu lockern und dabei sich selbst und anderen zu erlauben unvollkommen zu sein, ist die beste Erfahrung für mich.

Zusammenfassend: Dort und da sitzt man gewissen Illusionen auf und es ist nicht immer leicht sich das einzugestehen. Fantasien über Seelenverbindungen und Dualseelenliebe verführen nur leider dazu, dass man sich in toxische Beziehungen noch weiter verrennt. An die Liebe glaube ich sehr wohl und auch daran, dass es ein großes Geschenk ist, wenn zwei sich finden. Wie das gut gelingen kann, weiß ich nicht. Vielleicht ist es Schicksal? Eine Textpassage aus der Genesis Rabbah lautet: Doch sogar Gott selbst findet die Fügung der richtigen Partner ebenso schwierig wie die Teilung des Roten Meeres.🙂 Also dann: Viel Glück, ihr Seelen! 🙂

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