Stoppt die Nachrichten

Das Verfolgen von Nachrichten hat noch keinen glücklich werden lassen. Es ist auch nicht die Aufgabe von Journalisten und Reportern für die Stimmung bei den Empfängern zu sorgen. Und doch wird unsere Laune maßgeblich vom Medienkonsum beeinflusst. Das sind keine News, ich weiß! ABER:

Viele meiner Freunde meldeten sich, zumindest phasenweise, von den Social Media Seiten ab, weil sie den Frust, der bei ihnen aufkam, nicht mehr wollten. Nach wenigen Stunden der Umgewöhnung an ein Leben ohne Facebook und Instagram, ein Leben ohne den Vergleich mit anderen, waren sie bald erleichtert und zufriedener. Die Nachrichten betreffend, war es bisher so, dass einige meiner Freunde gar nie so gefixt wurden von den Bad-News und politischer Aufregungen. Bei mir klappte das nie. Ich bin zum einen politisch interessiert, seit ich zirka 14 Jahre alt bin. Bei politischen Talk-Shows, wie zum Beispiel: „Hart aber fair“, „Anne Will“, oder „im Zentrum“, fieberte ich mit, wie andere nur bei einem Champions-League-Finale ihrer Lieblingsmannschaft. Mittlerweile muss ich Nachrichten lesen um herauszufinden, wie die Lage der Nation ist, die mich unmittelbar betrifft. Stichwort: Coronamaßnamen. Bevor es Corona gab und nachdem ich aufhörte politische Debatten zu verfolgen, hatte ich längere Zeit keinen Fernseher, keine Zeitungsabonnements, kein Radio und manchmal keinen Akku auf dem Smartphone. Es ging mir besser!

2019 war für mich ein herausforderndes Jahr. Was mir sehr geholfen hat, waren meine Yoga-Einheiten und Meditation. Ich machte dabei die Erfahrung, dass es gelingen kann im Hier und Jetzt zu sein. Dass mein Herz schlägt, ohne mein Zutun. Dass mein Atem fließt. Dass ich genug bin, genug tue und genug habe. „Lass los von Allem was du glaubst zu wissen!“ Das war eines der Mantren. Obwohl es turbulent war im Außen, stellte sich bei mir immer wieder Harmonie und Freude ein.

Apropros Mantra: So bezeichne ich die sich ständig wiederholenden Nachrichten über mögliche Szenarien. „Das Gesundheitssystem in Österreich steht kurz vorm Kollaps!“ „Die Infektionszahlen steigen weiter an.“ „Die Situation in Österreich ist äußert kritisch!“

Wer mehr möchte: „Die Wirtschaft schwächelt.“ „Die Arbeitslosenzahlen werden weiter steigen.“ Experten rechnen mit….

Diese Sätze stammen nicht von mir. Ich habe mir das nicht ausgedacht. Aber all diese Meldungen und Annahmen begleiten mich täglich. Deshalb bin ich ständig auf der Hut. Ich könnte mir auch erzählen, dass es viele weitere Gefahren und Bedrohungen gibt, die täglich präsent sind. Ich könnte an Krebs erkranken, von einem Auto überfahren werden, Covid-19 bekommen. Meine Wohnung durch eine Gasexplosion, einen Brand oder einen Einbruch verlieren. Ich kenne jemanden der in seiner Wohnung gestorben ist, weil Gas aus der Therme ausgetreten ist. Eingebrochen wurde bei mir auch schon einmal, im Jahr 2007. Es könnte wieder passieren.

Ich könnte heute wieder eine Bonuszahlung bekommen. Ich könnte zufällig einem alten Freund auf der Straße begegnen. Ich könnte im Imbiss ein Glückskeks geschenkt bekommen. Ich könnte heute einen Handstand lernen, mir ein schönes Make-up verpassen, jemanden eine liebe Nachricht schicken, gute Musik hören, ein neues Rezept ausprobieren, nach einem Fotomotiv Ausschau halten, einen Blogbeitrag schreiben usw.

Oben wie unten: Es sind nur wenige Fakten und Tatsachen, sondern überwiegend Annahmen. Und auch wenn wir Menschen manchmal dazu neigen unsere Selbstbestimmung zu überschätzen, sollten wir den persönlichen Raum der Möglichkeiten nicht unterschätzen. Es geht nicht darum, dass man um jeden Preis optimistisch sein muss. Man sollte negative Gefühle zulassen, aber ebenso sollte man sie nicht weiter verstärken. Man kann Nachrichten verfolgen und dabei in dem Bewusstsein bleiben, dass jede Wahrheit subjektiv ist. Ich muss kein Katastrophen-Leugner sein, nur weil ich mich nicht mit allen Problemen der Welt identifiziere. Was in der Welt passiert, geht mich etwas an, aber nur bedingt! Daran versuche ich mich immer wieder zu erinnern!

Warum passiert es mir dann doch immer wieder, dass ich so schwer betroffen bin von den schlimmen Ereignissen in der Welt und völlig verängstigt bin, in Hinblick auf die Zukunft?

In einem Fachartikel über das Phänomen der „Angstlust“ wird recht verständlich erklärt, was es damit auf sich hat. Warum widmen wir uns den Worst-Case-Szenarien? Klar, wir möchten vorausplanen und Kontrolle erlangen. Aus (evolutions-)psychologischer Sicht heißt es, dass während wir Angstgefühle in unserem Körper entwickeln, gleichzeitig auch Endorphine ausgeschüttet werden. Diese sogenannten Glückshormone lindern Schmerzen und wirken motivierend. Dadurch ist es möglich weiterzumachen, auch in scheinbar ausweglosen Situationen. https://mava.blog/psychologie-heute

Meine persönliche Erfahrung ist, dass ich in gegenwärtigen Bedrohungssituationen sehr gefasst reagiere. Wenn ich mich in realen Situationen gegen Übergriffe wehren muss, weil ich z. B. auf dem Heimweg im Dunkeln belästigt werde (kommt zum Glück fast nie vor!), dann empfinde ich eher so etwas wie einen Adrenalin-Schub. Was ich damit sagen möchte ist, dass viele Ängste durch die reine Vorstellung über mögliche Bedrohungen ausgelöst werden. Diese Art von Ängsten werden aber von keinen weiteren Hormonen begleitet (denke ich) und sind daher ausschließlich lähmend. Das kann nicht förderlich sein! Deshalb werde ich weiterhin Nachrichten schauen, aber mich, so gut wie möglich, auch abgrenzen.

Wie wäre es mit einer App die Nachrichten filtert? Ich würde den Filter so einstellen, dass ich nur die Informationen erhalte die ich dringend benötige. Statt Meldungen über eine schwächelnde Wirtschaft zu bekommen, hätte ich gerne, dass die App mich benachrichtigt, sobald die Wirtschaft wieder aufsperrt. Dann komme ich auch gerne vorbei auf ein Achterl 😉

5 Kommentare

  1. Judith Neubauer

    Die Nachrichten können einen wirklich sehr belasten. Und eigentlich sind sie auch abgesehen von Corona zu 90 Prozent negativ. Warum ist das eigentlich so? Sind positive Entwicklungen nicht so spannend für die Zuschauer?

  2. Anonymous

    Konnte letzte Woche nicht mehr vernünftig denken währen der Arbeit und auch nicht schlafen, weil ich mich so detaillier in die US Wahl eingelesen hatte und alle paar Minuten den Status gecheckt habe, alle mögliche Horror Szenarien erdacht… irgendwann hab ich mal alles abschalten müssen und bin ins Bett gefallen, Krankenstand… Ach ja und der Link zur Katastrophenlust ist Tod bei mir.

  3. Elmar

    Konnte letzte Woche nicht mehr vernünftig denken währen der Arbeit und auch nicht schlafen, weil ich mich so detaillier in die US Wahl eingelesen hatte und alle paar Minuten den Status gecheckt habe, alle mögliche Horror Szenarien erdacht… irgendwann hab ich mal alles abschalten müssen und bin ins Bett gefallen, Krankenstand… Ach ja und der Link zur Katastrophenlust ist Tod bei mir.

    1. Mava Life

      Ich wurde letzte Woche um 2 Uhr wach und schaltete den Fernseher ein. Es kam eine Zeit im Bild Spezial. Mein erster Gedanke: F**** nicht schon wieder ein Attentat. Zum Glück gab es einen anderen Grund: Das Ergebnis der US-Wahl. Wer sich mit den Kandidaten, den Auswirkungen auf Handelsbeziehungen etc zu beschäftigen beginnt, muss wahnsinnig werden. Früher oder später landet man thematisch bei den Illuminati… 🙂

      Back to the roots: Danke für den Hinweis mit dem Link. Ich hab einen Link-Shortener ausprobiert (Pretty-Links). Irgendwas hatte ich nicht richtig eingestellt – Weiterleitungstyp oder so. Jetzt sollte es klappen!

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