Väter haben Pflichten!

Zum Weltfrauentag, der am 8. März 2021 100 Jahre Jubiläum feiert, wird wieder einmal breit über die Gleichberechtigung der Frauen diskutiert. In den Debatten wird ein wichtiges Thema, das ich hier einmal Gleichverantwortung nennen möchte, vernachlässigt. Schön, wenn es sich in der Frauenpolitik um die Frauen dreht. Nur leider, dreht es sich im Kreis, wenn darüber debattiert wird, wie man die Perspektiven der Frauen verbessern kann, dabei aber den Beitrag der Männer ausspart. Männer kommen im Zusammenhang mit Sexismus-Vorwürfen vor. Obwohl Männer mehr können und tun könnten! Jedes Thema für sich hat einen besonderen Stellenwert. Aber ohne ein geregeltes Miteinander, in puncto Kinderbetreuung, wird es kein gesundes Weiterkommen geben.

Ich schätze es sehr, dass es in Wien gestützte Ganztages- und Ferienbetreuungen für Kinder gibt. Sie sind längst nicht nur Platzhalter für die berufstätige Mutter, sie sind tragende Säulen, auch in der Persönlichkeitsentwicklung der Kinder. In der allgemeinen Auffassung ist es aber so, dass dank der institutionalisierten Kinderbetreuung, Frauen schneller wieder den Einstieg in die Erwerbstätigkeit schaffen. In Bezug auf die berufstätigen Väter wird das nie erwähnt. Ich habe jedenfalls noch nie davon gehört, dass Ganztagsschulen eine Erleichterung für Väter seien. Denn es ist selbstverständlich, dass die Mutter sich nach den Kindern richtet. Wenn es für den Vater möglich ist, übernimmt er bestimmte Aufgaben, wenn er verhindert ist, dann natürlich nicht.

Die meisten Frauen, mit und ohne Kind, sind mehrheitlich berufstätig. Die wenigsten Frauen stehen vor der Entscheidung zwischen der Rolle als Hausfrau und beruflicher Selbstverwicklung. Die Erwerbstätigkeit der Frauen ist keine Option, sondern Notwendigkeit. Es geht dabei nicht nur um eine Absicherung für die Höhe des Einkommens in der Pension. Das Gehalt der Frau ist auch kein Zuckerl für das Haushaltseinkommen, es ist schlicht nicht wegzudenken. Mit dem Einkommen der Frau wird nicht etwa der Zweitwohnsitz finanziert, es wird für die täglichen Ausgaben, die Fixkosten oder die Kredittilgung benötigt. Daher kann es nicht sein, dass der männliche Beitrag im Familienmanagement immer noch daher kommt wie eine freiwillige Leistung!

Eine Freundin von mir arbeitet als Kassiererin für eine Supermarktkette. Sie tut das nicht um die Bevölkerung mit Lebensmitteln zu versorgen, sondern um Geld zu verdienen, das die Familie benötigt. Viele weitere typische Frauenberufe sind jene die in der Coronakrise als systemrelevant definiert wurden. Frauen in Kindergärten, im Drogeriemarkt, in Pflegeberufen waren die Heldinnen der ersten Welle. Es hatte den Geschmack einer wohltätigen Leistung, einer Art Aufopferung für die Nation. Vielleicht haben sie sich über den medialen Applaus gefreut, aber wertschätzend wäre eine angemessene Entlohnung. Also noch einmal: Weder die Aufgaben der Väter im Bund der Familie, noch die Berufstätigkeit der Frauen sind Ehrenamt!

Mir leuchtet ein, dass der Gesetzgeber nicht eingreifen kann, wenn es um Vereinbarungen zwischen Männern und Frauen im Familienleben geht. Das sollte schon Privatsache bleiben. Spätestens nach einer Trennung, oder Scheidung, wäre jedoch viel mehr möglich als bisher praktiziert. Ich lebe getrennt, bei gemeinsamer Obsorge, mit dem sogenannten Wechselmodell. Viele fragen mich, was das sein soll. Die Doppelresidenz bedeutet, dass ein Kind bei beiden Elternteilen wohnt. Bei Behördengängen, Beratungsstellen und bei Gericht viel auf, dass es für diese Regelung noch einige Gesetzeslücken gibt und selbst eine Richterin zu mir sagte, dass sie in der Causa Doppelname überfragt sei. Durch meine privaten Kontakte zu Alleinerzieherinnen, kann ich klar bestätigen, dass es viele Männer gibt, die sich schlichtweg gar Nichts scheißen. Ihre Brutalität besteht auch darin, dass sie ihren Pflichten nicht nachkommen und die Unterlassung in der Kinderpflege der größte Skandal wäre, würden nicht die Frauen alles auffangen und ausgleichen. In manchen Fällen beschränkt sich der Gesetzgeber viel zu sehr auf die Pflicht der regelmäßigen Unterhaltszahlungen des Vaters. Für mich ist das unzureichend!

Das sogenannte Kontaktrecht ist das Recht des Vaters zu bestimmten Zeiten mit seinen Kindern sein zu dürfen. Ein Vater der die Betreuungszeiten jedoch nicht einhält, sollte aber nicht als unwillig abgetan werden. Die Kinderbetreuung für Minderjährige sollte bei geschiedenen Väter nicht als ein Kann, sondern als Muss verstanden werden. Aufgaben die Väter für ihre Kindern haben sind zu definieren und bei Unterlassung auch unter Strafe gestellt werden. Für Falschparken und andere Verwaltungsstrafen gibt es Geldstrafen mit der Alternative die Buße abzusitzen. Wer sich um die leiblichen Kinder nicht kümmert hat zwar persönlich versagt, kommt aber ungeschoren davon. Ich plädiere nicht für strengere Gesetze, außerdem bin ich nicht qualifiziert für juristische Auseinandersetzungen. Ich kann nur aus eigener Erfahrung sprechen: Jeder Fehltritt einer Frau wird viel schneller zum Skandal, als das bei Männern der Fall ist. Ein Mann der alleine mit dem Kinderwagen ins Restaurant geht und dort einen Kollegen trifft, gilt als mondän. Eine Frau die ein Kleinkind im Kinderwagen mitführt wird sehr schnell vorwurfsvoll angestarrt, sobald ihr Baby zu weinen beginnt.

Ab dem Zeitpunkt, wenn ein Kind nicht mehr gestillt wird und in einer Kindergruppe, oder von den Großeltern betreut wird, gibt es keine solide Argumentation dafür, dass die Familienarbeit überwiegend auf der Mutter lastet. Es braucht keine exakte Halbierung der Hausarbeit und Kinderbetreuung, wenn Mann und Frau zusammen leben. Es ist nur so, dass ich bei jedem Termin beim Kinderarzt mit Frauen im Warteraum saß, oder mit Männern und deren Frauen. Obwohl es bei den Untersuchungen nicht zwangsläufig die Mutter braucht. Das könnten Väter auch ohne eine Frau machen. In der gesamten Kommunikation richten sich viele Aufgaben wie selbstverständlich an die Mutter. In den meisten Fällen ist es jedoch einfach nur aus reiner Gewohnheit, oder Bequemlichkeit begründet. Das ist unfair.

In der gesamten Kindererziehungsthematik werden Frauen mit Frauen verglichen, oder Frauen mit Männern. Einen Wettbewerb unter den Vätern gibt es nicht. Ich wünsche zwar den Männern nicht, dass sie dem gleichen Druck ausgesetzt werden, unter dem viele Frauen leiden – manche sogar ohne es zu bemerken. Es sollte nur nicht leichtfertig hingenommen werden, wenn Männer sich auf ihre berufliche Funktion reduzieren. Nicht jeder Mann macht Karriere oder hat eine staatstragende Rolle. Deshalb geht es nicht darum einen Kongress absagen zu müssen, damit der Vater zur Mutter-Kind-Pass-Untersuchung beim Kinderarzt gehen kann. Es geht darum, dass Frauen sich nicht rausreden können, wenn sie Kinder haben und Geld verdienen müssen. Für Männer sollten billige Ausreden auch nicht mehr länger durchgehen.

Ein Mann wird im Interview nie gefragt, wie er es schafft Job und Kind zu vereinbaren. Er wird nicht auf die selbe Art befragt, wie eine Frau die auf eine Abendveranstaltung geht. Es war eine der ersten Fragen die mir gestellt wurden, als ich auf den Events meines damaligen Partners war. Ich kam immer erst später zur Veranstaltung, weil ich tagsüber arbeiten musste, danach meinen Sohn versorgte, auf die Babysittern oder die Oma wartete und danach erst zum Event ging. „Hey, wie gehts? Und wer ist heute beim Kleinen?“ Es ist nicht absurd so etwas zu fragen. Es ist selbstverständlich, dass für die Aufsicht eines Kindes gesorgt ist, aber es ist absurd, dass es entweder die Frau, oder die Nanny macht. Klar, mein damaliger Partner hat auch viele Male aufgepasst, als ich beruflich weg war, oder mit einer Freundin etwas unternehmen wollte ohne Anhang.

Im Vergleich zu früheren Zeiten hat sich ja viel getan. Es ist nur bestimmt so, dass die Herangehensweisen einer Frau strenger durchleuchtet werden, als bei Männern. Ein Mann der zielstrebig seine Karriere verfolgt wird nur selten Vorwürfe ernten, dass er dadurch die Kinder vernachlässigen würde. Wären Männer selbstverständlich im Umgang mit ihren Betreuungsaufgaben und würden diese auch im beruflichen Alltag verteidigen, müssten sich nicht mehr nur die Frauen anpassen, sondern auch die Arbeitsplatzgestaltung adaptiert werden.

Kinder brauchen ihren Vater. Es geht zwar auch ohne und es geht auch mit anderen männlichen Bezugspersonen. Es geht jedoch nicht, dass Männer sich vor den unangenehmen Aufgaben drücken und das als „typisch“ Mann abgetan wird. Ein derartiges Verständnis über Männer ist mehr als eine Herabwürdigung der Spezies zum Primaten dem man ein moralisches Verantwortungsbewusstsein nicht zutrauen kann. Das ist falsch. Bei den meisten Männern ist das Vorderhirn ausgebildet.

Bei der Forderung nach Gleichverantwortung sollte es nicht primär um die Emanzipation der Frau gehen, sondern um das Wohl der Kinder zum einen. Darüber hinaus wären die Folgen eine neue Qualität im gesellschaftlichen Zusammenleben und ich bin mir sicher, es wäre zum Wohle aller Menschen.

Ein Weltfrauentag ohne den Frauen Rosen zu streuen? Danke an alle Frauen die mir den Weg bereitet haben, die tapfer gekämpft und liebevoll umsorgt haben. Ohne euch wäre die Welt eine karge Landschaft, so unattraktiv wie ein Militärstützpunkt in der Steinwüste. 💖

3 Kommentare

  1. Elmar

    Wenn ich das so lese fühle ich mich als einziger Mann der gerne seine Kinder nach der Trennung mehr betreuen will und von der ex Partnerin und den Institutionen immer auf das Wochenende reduziert wird. 😢

  2. Mava Life

    Tut mir leid Elmar! Auch, dass du nicht der Einzige bist der um seine Kinder kämpfen muss. Liegt auch daran, dass man Kinder automatisch der Mutter zuschreibt. Obwohl es nachgewiesen ist, dass Kinder beide Elternteile brauchen. Je älter die Kids, desto mehr entscheiden sie selbst darüber wie sie es gestalten wollen. Voraussetzung ist, dass man halbwegs in der Nähe voneinander lebt. … Good luck ☀️

    1. Patrick

      Leider ist es in unserem Staat so das es eben nur ums liebe Geld geht . Dem Staat dem Jugendamt und dem Gericht . Was für Geschichten da erzählt werden könnten von Vätern die es versuchen wäre nicht unter einem Hut zu bekommen . Leider traurige Wahrheit .

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